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Wissenswert

News vom 01.08.16

Jeder Fünfte hat erste Erfahrung im Ausland

Die meisten Unternehmer wollen vor einer Tätigkeit im Ausland die Beratung der Handwerksorganisationen nutzen.

„Wenn ich es in Deutschland schaffe, dann kann ich es überall schaffen“, so lautet einer der Grundsätze von Axel von der Herberg. Das Auslandsgeschäft ist für den Stuckateurmeister und Geschäftsführer der AH STUCK GmbH aus der Nähe von Heilbronn ein wichtiger Erfolgsfaktor. Mit seinem Verfahren zur maschinellen Herstellung von Stuck aus natürlichen Rohstoffen ist er weltweit tätig. Dabei befindet er sich in guter Gesellschaft, denn jeder fünfte baden-württembergische Handwerksbetrieb hat in den vergangenen fünf Jahren zumindest erste Erfahrungen im Auslandsgeschäft gemacht. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage unter 1.500 Betrieben im Land hervor.

So waren im Jahr 2015 - auf das sich die Umfrage bezieht - 7,3 Prozent der baden-württembergischen Handwerksbetriebe im Ausland tätig oder haben Waren exportiert. Weitere rund zwölf Prozent der Betriebe im Land waren zumindest in den vergangenen fünf Jahren in irgendeiner Form im Ausland tätig. Somit hatten in der Summe zuletzt knapp 20 Prozent der Handwerksbetriebe Berührungspunkte mit ausländischen Märkten. „Auf meinen Reisen wird mir immer wieder verdeutlicht, dass das deutsche Handwerk im Ausland einen unwahrscheinlich hohen Stellenwert hat“, sagt von der Herberg.

Wichtigste Zielmärkte der baden-württembergischen Handwerksbetriebe
Dies scheint im Besonderen für die Betriebe aus dem „Ländle“ zu gelten. So erwirtschaften die Betriebe aus Baden-Württemberg mit 4,4 Prozent - dies entspricht etwa 3,7 Milliarden Euro - einen wesentlich höheren Umsatzanteil mit dem Ausland als der Bundesdurchschnitt (2014: drei Prozent). Dabei gilt erstens: je größer der Betrieb, desto höher der Auslandsanteil am Umsatz. Zweitens ist der Exportanteil auch stark von der Branche abhängig. So kommen beispielsweise die gewerblichen Zulieferer auf einen Auslandsanteil von 7,9 Prozent. Der Export des baden-württembergischen Handwerks wird also insbesondere von den großen Zulieferbetrieben getragen.

70 Prozent der Exporteure waren inder Schweiz

Nicht nur von der Herberg blickt optimistisch in die Zukunft. Laut Umfrage wollen rund fünf Prozent der Befragten ihr Auslandsgeschäft ausbauen, zwei Prozent wollen neu einsteigen. 14 Prozent der Befragten planen Auslandsgeschäfte im gleichen Umfang wie heute. Darunter befinden sich viele der unregelmäßig im Ausland tätigen Betriebe.

Hürden vor dem Auslandsgeschäft
Die Schweiz ist das mit Abstand wichtigste Zielland für baden-württembergische Handwerksbetriebe, danach folgen Frankreich, Österreich und andere EU-Staaten. Allerdings können für Betriebe wie AH STUCK, die einen Nischenmarkt besetzen, auch fernere Märkte wie Russland, die USA oder Asien interessant sein. So spielt für Axel von der Herberg neben dem europäischen Ausland seit einiger Zeit auch der nahe und mittlere Osten eine besondere Rolle: „muslimische Gesellschaften besitzen ein jahrtausendealtes Verständnis in der plastischen Ausgestaltung von Gips und sind deshalb sehr interessant für uns.“ Durch eine Unternehmerreise nach Saudi-Arabien mit politischer Begleitung konnte er wertvolle Kontakte in der Region knüpfen.

Dennoch scheuen viele Betriebe bislang den Gang ins Ausland. In der Umfrage verweisen sie als Gründe, neben einem unpassenden Leistungsangebot, vor allem auf fehlende Kapazitäten. Hier spielt wohl in erster Linie die derzeit gute Binnenkonjunktur eine große Rolle. „Wegen der sehr guten Auftragslage ist es im Moment umso schwieriger, strategisch zu denken. Dabei wäre es gerade jetzt wichtig, über Kammern und Verbände die Kontakte ins Ausland zu knüpfen“, sagt er. Denn mit einem  zweiten, ausbaufähigen Standbein im Ausland ließen sich zukünftige, regionale Konjunkturschwankungen einfacher ausgleichen.
 
Handwerksorganisationen sind erste Ansprechpartner

Erst mit einigem Abstand nennen die Betriebe Hürden, die direkt mit dem Export verbunden sind: die Angst vor bürokratischen Hürden, ein großes wirtschaftliches Risiko, das der Betriebsinhaber nicht tragen will, oder einfach unzureichende Kenntnisse ausländischer Märkte. „Natürlich birgt der Gang ins Ausland ein Wagnis“, sagt von der Herberg. „Doch nach einer strukturierten Analyse halte ich das Wagnis gerade innerhalb der EU für kalkulierbar.“ Unternehmer, die bereits im Ausland tätig sind, fühlen sich, laut der Umfrage, vor allem durch bürokratische Hürden im Ausland, durch Zölle und Einfuhrbeschränkungen behindert. Immerhin jeder vierte Betrieb nennt unzureichende Marktkenntnisse als Hemmnis.Wichtigste Informationsquellen für das Handwerk in Baden-Württemberg
Aus diesem Grund empfiehlt er den Betrieben, eine externe Beratung zu nutzen: „Sobald ich weiß, welche Bedingungen und welche rechtliche Situation ich im Zielland vorfinde, sollte ich mich individuell beraten lassen.“ Laut der Umfrage sind dabei die Handwerksorganisationen der wichtigste Ansprechpartner für die Betriebsinhaber vor den Steuer- und Rechtsberatern. Rund 60 Prozent der Betriebe haben sich für ein Beratungsgespräch an die Kammern gewendet oder wollen sich dorthin wenden. Knapp die Hälfte der Betriebe will sich durch Informationsveranstaltungen der Handwerksorganisationen informieren. In Baden-Württemberg steht dafür insbesondere Handwerk International zur Verfügung. Zudem haben die grenznahen Handwerkskammern in Konstanz, Karlsruhe und Freiburg eigene Beratungsstellen eingerichtet.

Weitere Informationen: Erfolgsgeschichten und weitere Informationen zum Export des baden-württembergischen Handwerks liefert ein Artikel im Handwerk Magazin.

Autoren:
Marcel Busch, Projektleiter Kommunikation, Handwerk International
Baden-Württemberg
Stefan Schütze, Abteilungsleiter Wirtschaftspolitik und Statistik, Baden-Württembergischer-Handwerkstag e.V.
Quelle: BWHT-Umfrage zum überregionalen Absatz vom 01. Quartal 2016
Foto: kbuntu - fotolia.com

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