Sprache: de | en

Wissenswert

News vom 01.07.16

Brexit! Und nun?

Benötigt ein Monteur jetzt ein Visum für Großbritannien? Erheben die Briten nun Zölle auf deutsche Produkte? Handwerk International Baden-Württemberg stellt drei mögliche Szenarien vor für den Ausstieg der Briten aus der EU und die Folgen für das Handwerk im Land.

Jürgen Schäfer: "Bitte keine Hängepartie!"

Noch hat Großbritannien seinen Austritt aus der Europäischen Union nicht offiziell beantragt. Doch nach dem Brexit-Votum am 23. Juni muss sich Europa wahrscheinlich auf eine Union ohne das Vereinigte Königreich einstellen. Die erste Folge: das Pfund hat deutlich an Wert verloren. Deutsche Dienstleistungen haben sich für die Briten quasi über Nacht stark verteuert. Wie geht es nun weiter? Einen vergleichbaren Fall hat es noch nie gegeben und bis zum tatsächlichen Ausscheiden der Briten könnten noch mehrere Jahre vergehen. Jürgen Schäfer, der Geschäftsführer von Handwerk International Baden-Württemberg,  fordert: „Bitte keine Hängepartie! Jetzt ist Schluss mit dem Rosinenpicken, lassen Sie uns die Trennung professionell vollziehen.“ Er sieht drei mögliche Szenarien für Großbritannien außerhalb der EU:

1) Der komplette Ausstieg: Das Vereinigte Königreich würde behandelt wie die USA oder China. Die vier Freiheiten des Personen-, Waren-, Dienstleistungs- und Kapitalverkehrs würden dann nicht mehr für die Briten gelten. Zölle würden erhoben, Visa könnten zumindest für Arbeitsaufenthalte erforderlich sein. Es hinge dann von Großbritannien ab, ob und wie baden-württembergische Handwerker auf der Insel arbeiten könnten. Im Fall des kompletten Ausstiegs könnten sogar britische Standards die EU-weit gültige CE-Kennzeichnung ablösen – dies wäre wohl die schwierigste Lösung für die Betriebe aus dem Land.

2) Das Modell Schweiz: Die Europäische Union und Großbritannien würden Verträge abschließen, die den zukünftigen Umgang miteinander regeln. Nach dem Vorbild der Schweiz könnten Zollkontrollen eingeführt werden, ohne dass Zölle auf Waren aus der EU erhoben würden. Für Handwerksbetriebe würde das einen Papierkrieg im Vorfeld ihrer Tätigkeit auf der Insel bedeuten: sie müssten - wie heute schon bei der Schweiz - beweisen, dass ihre Waren tatsächlich aus der EU kommen.
Der Knackpunkt wäre in diesem Fall jedoch der freie Personenverkehr: Für die Briten solle sich nichts ändern, fordern die Brexit-Befürworter, sie möchten den Zugang zum Binnenmarkt wie bisher erhalten. Gleichzeitig wollen sie die Migration nach Großbritannien stärker regulieren. Ein Privileg, das die EU der Schweiz nicht einräumt, wieso also den Briten? Wie sich die EU und Großbritannien in solchen Verträgen einigen werden ist völlig offen.

3) Die Phase der Unsicherheit: Obwohl die Briten mehrheitlich für einen Austritt aus der EU gestimmt haben, könnte auch zunächst einmal gar nichts passieren. Denn ihre Regierung muss den Austritt zunächst offiziell  bei der Europäischen Union beantragen. Dass der britische Noch-Premierminister David Cameron, der seinen Rücktritt bereits angekündigt hat, diesen Schritt geht, ist unwahrscheinlich. Vorzeitige Neuwahlen könnten wieder eine EU-freundlichere Regierung bringen, die nicht an einem schnellen Ausstieg interessiert ist.
Für die Wirtschaft würden dann zwar weiterhin die heutigen Regeln gelten, verbunden allerdings mit einer Phase der Unsicherheit. Betriebe sollten in diesem Fall vorsichtig sein, bevor sie etwa langfristige Wartungsverträge abschließen, weil die gesetzlichen Rahmenbedingungen ihrer Arbeit noch lange unklar bleiben könnten. Außerdem wären weiterhin Kursschwankungen des Pfunds zu erwarten. Handwerksbetriebe müssten in diesem Fall das Wechselkursrisiko in ihren Verträgen berücksichtigen – und idealerweise in Euro abschließen.

Tätigkeiten im Vereinigten Königreich werden schwieriger

Fazit: „Viele befürchten ein auseinander reißen der EU, aber vielleicht bringt es die Mitgliedstaaten auch näher zusammen. Lassen sie uns nicht nachtreten, sondern die Entscheidung der Briten einfach akzeptieren", sagt Schäfer. Unabhängig davon, welches dieser drei möglichen Szenarien eintritt: eine Tätigkeit im Vereinigten Königreich wird für die baden-württembergischen Handwerksbetriebe in Zukunft in jedem Fall schwieriger werden. Handwerkbetriebe sollten sich vor der Angebotsabgabe auf jeden Fall über den aktuellen Sachstand informieren und die jeweiligen Szenarien für ihre Geschäfte durchspielen. Dabei unterstützt Handwerk International Baden-Württemberg gerne

Weitere Informationen des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie zum Brexit finden Sie hier.

Ihr Ansprechpartner bei Handwerk International Baden-Württemberg:
Michael Rössler
Außenwirtschaftsberater
mr@handwerk-international.de
Telefon 0711-1657-525

Foto: pixs:sell - Fotolia

nach oben

zurück zur Startseite

Ihre Ansprechpartner

Ihr direkter Kontakt zum Beraterteam von Handwerk International:
Telefon:0711/1657-444
oder per E-Mail:
info@handwerk-international.de

Referenzen

Lesen Sie Erfahrungsberichte! Referenzen

Newsletter

Informieren Sie sich über die neuesten Entwicklungen im Auslandsgeschäft! Newsletterabo